Um die Frage besser zu verstehen, ob es wirklich darum geht Leben zu retten oder eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, macht es durchaus Sinn die allgemeinen Ereignisse sowie Handlungen der Regierung während der vergangenen 11 Monate an dieser Stelle noch einmal Revue passieren zu lassen. Wobei insbesondere die finanziellen Aspekte nicht unberücksichtigt belassen werden dürfen, da diese eine maßgebliche Grundlage für diese Frage bilden.


Seit dem April 2020 wurden seitens der Bundesregierung und den Ländern folgende finanzielle Maßnahmen ergriffen:

 

3,53 Mrd. Euro für Corona Hilfen (Corona-Schutzschild)

 

8,197 Mrd. Euro für Kredite, Garantien- und Bürgschaften, insbesondere für Großunternehmen


 

Hinzukommen:

 

Geschätzte 2,5 Mrd. Euro Kosten für RT-PCR und Antigen Tests.

 

2,158 Mrd. Euro wirtschaftliche Schäden für Arbeitgeber durch Quarantäne Maßnahmen der betroffenen Angestellten. Gerechnet wurde hier nach den Einkommensangaben laut OECD und folgender Formel: Anzahl aller positiv Getesteten * 1,5 Bewohner pro Haushalt * 630 Euro für 10 Tage (1.890 Euro Bruttomonatsgehalt). Nicht berechnet wurden Produktionsausfälle oder Verzögerungen.

 

Etwa 480.000 Arbeitslose seit April 2020 sorgen für eine Belastung von geschätzten 2,68 Mrd. Euro.

 

Jede Woche Lockdown kostet Deutschland 3,5 Mrd. Euro des Brutto Inlandsprodukts, was bis heute auf die stolze Summe von 35 Mrd. Euro angewachsen ist.

 

Hinzu kommt die Streichung von Tausenden 450 Euro Jobs, die nicht nur Familien belasten, sondern auch junge Studentinnen und Studenten an den Rand des Existenzminimums drängen, die deshalb auf BAföG zurückgreifen müssen, was wiederum die Staatskassen belastet.

 

Noch nicht erfassbar sind die zahlreichen Geschäftsaufgaben und Insolvenzen.

 

Zusammenfassend ergibt sich daraus ein Betrag von etwa 1,18 Billionen Euro.

 

Für diese Summe hätte jedem Einwohner im Lebensalter von über 60 Lebensjahren (25 Mio. der Gesamtbevölkerung Deutschlands) seit September 2020 ein Betrag in Höhe von monatlich über 9.500 EUR zur Verfügung gestanden. Das ist am Ende genau der Punkt, der alles hinterfragen lässt, da wir ab hier über die besonders betroffenen und gefährdeten Menschen unserer Gesellschaft sprechen. Für 1,18 Billionen Euro hätten für sie folgende Maßnahmen getroffen werden können:

 

1. FFP2 Masken, die seit September uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

2. Kleinbusse und Taxigutscheine, um die betroffenen Menschen aus dem ÖPNV zu nehmen.

3. Regelmäßige Antigen-Tests zur Früherkennung durch Mobile Altenpflege, in Alten/Pflegeheimen und/oder Bürgerzentren.

 

97 Prozent aller bisher Verstorbenen hatten das Alter von über 60 Lebensjahren überschritten, wobei der Lebensalterdurchschnitt der Toten laut RKI bei 83 Lebensjahren liegt. In der Stadt Tübingen gab es aber kaum Tote in Alten/Pflegeheimen. Warum? Weil es für die besonders betroffenen Gruppen gesonderte Einkaufszeiten von 09:00 bis 11:00h (kein Zutritt für unter 60-Jährige) gab/gibt. Weiterhin wurden die bereits oben beschriebenen Punkte 2. und 3. Bereits ab dem Sommer 2020 umgesetzt.

 

Zusätzlich wären für ganz Deutschland beispielsweise noch folgende Maßnahmen denkbar gewesen.

 

Einkaufshilfen durch junge Menschen, die sich im freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) befinden.

 

Einsatz von Langzeitarbeitslosen für Botengänge (z.B. Lebensmittelversorgung/Einkaufen) für das Medizinische Personal. Die bestellten Waren werden kontaktlos an die Krankenhäuser, Alten/Pflegeheime geliefert. Auch wenn sich das logistisch schwierig anhört, auf dezentraler kommunaler Ebene wäre dies kein großer Verwaltungsakt gewesen. Was in Tübingen mit 15 Alten- und Pflegeheimen funktioniert sollte auch in jeder anderen Kommune machbar sein.

 

Einsatz von Studenten (Lehramt letztes Semester) zwecks Entzerrung der Schulklassen durch Auslagerungen in Hotelkonferenzräume/ Restaurants mit großen Sälen oder Bürgerzentren an den Vormittagen.

 

Drei Mal wöchentlich präventive Antigen-Tests aller o.g. betroffenen Gruppen.

 

Die Krankenhausaufenthalte der Menschen in den Altersgruppen von 0 bis 59 Lebensjahren sind im Vergleich zu den tatsächlich betroffenen über 60 bzw. mehrheitlich 70 Lebensjahren sehr gering. Durch den effektiveren Schutz der tatsächlich betroffenen Altersgruppen wäre wenigstens der zweite Lockdown vermeidbar gewesen. Das lässt sich den Fallzahlen aus Tübingen entnehmen, wo sich in den Krankenhäusern gerade mal 10 Menschen auf den Intensivstationen befanden, während der Rest Deutschlands über eine vermeintliche Überlastung des Gesundheitssystems diskutierte.

 

Zwischenzeitlich zeigen sich immer mehr Probleme auf anderen Ebenen, die von vielen Experten schon lange prognostiziert wurden. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien (Österreich) sehen sich die Ärzte mittlerweile mit der Triage konfrontiert, also wer als nächster behandelt werden soll. Eine weitere Studie der Technischen Universität München belegt die Gewaltzunahme bei hochgerechneten 1,1 Mio. Kindern und Millionen Frauen die unter Häuslicher Gewalt in Deutschland leiden. Die Kindesmisshandlung in England stieg sprunghaft auf 1.497 Prozent an. Dazu gehören selbst gebrochene Knochen oder Hirnverletzungen bei Säuglingen, besonders bei sozialschwachen Familien. Eine weitere Untersuchung in England spricht über eine Zunahme von Herzinfarkten von bis zu 60 Prozent.

 

Nun werden die Virusmutationen als Erklärung herangezogen. Einerseits wird den Bürgern mitgeteilt, dass für diese Mutationen "besondere" RT-PCR-Tests erforderlich sind, da man die Mutationen sonst nicht auffinden könne. Andererseits wird an den alten Konzepten festgehalten, die die WHO im Januar 2021 noch einmal veranlasste ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Labore und das medizinische Personal auf die Testzyklen achten sollten. Zwischenzeitlich gab es zahlreiche Berichte und öffentliche Diskussionen darüber, dass Testzyklen über 30 nicht wirklich schlüssig sind. Wenn wir uns nun von Mutation zu Mutation hangeln, werden wir niemals mehr ein altes Normal haben. Im Gegenteil, wir werden auf die nächsten Jahre eine Generation heranziehen, die die aktuellen Lebensumstände als normal beschreibt.

 

Zwei neuere Studien, eine davon wurde von dem führenden und meist zitierten Wissenschaftler der Welt, John P. A. Ioannidis, durchgeführt kommen zu dem Schluss, dass die Reaktionen auf COVID-19 auf der ganzen Welt nicht wesentlich mehr Vorteile für die Verlangsamung der Ausbreitung boten als andere freiwillige Maßnahmen, wie soziale Distanzierung oder Reisebeschränkungen.

 

Die von Experten begutachtete Studie wurde am 5. Januar im European Journal of Clinical Investigation veröffentlicht und analysierte die Entwicklung der Coronavirus-Fälle in 10 Ländern Anfang 2020. Die Studie verglich die Fälle in England, Frankreich, Deutschland, Iran, Italien, den Niederlanden, Spanien und den USA - alles Länder, die verpflichtende Abriegelungen und Geschäftsschließungen eingeführt haben - mit Südkorea und Schweden, die weniger strenge, freiwillige Maßnahmen eingeführt haben. Ziel der Studie war es, die Auswirkungen von weniger oder mehr restriktiven Maßnahmen auf die Veränderung des individuellen Verhaltens und die Eindämmung der Übertragung des Virus zu analysieren.

 

Obwohl Studien nachweisen, dass die Effektivität von Lockdowns nahezu null ist und die Sterbezahlen eher noch nach oben treiben, selbst die WHO von Lockdowns abrät, die oben beschriebenen finanziellen und praktischen Möglichkeit andere Wege aufzeigen, hält die Regierung an alten Zöpfen fest, die schon lange abgeschnitten hören. Was zur abschließenden Frage führt: Um was geht es eigentlich wirklich?

 

Vielleicht befinden wir uns ja auf dem besten Weg zu "Equals". Equals, also in allen Belangen vollkommen gleichgestellte Menschen, gibt es erst, seit man in der Zukunft menschliche Gefühle vollkommen ausradiert hat. Ärger, Wut, Angst, Liebe – das alles sind Störfaktoren, die der Vergangenheit angehören. Erst ohne diese Emotionen konnte die Weltbevölkerung ihr volles, friedliches Potenzial entfalten.  Die Frage ist jedoch, wer möchte in einer Welt des vollkommenen Social Distancings leben? Nun, wir tut es jetzt seit fast einem Jahr.

 

Weitere Quellen:

 

Lockdown Studie 1

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eci.13484

 

Lockdown Studie 2

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.12.28.20248936v1

 

Trailer des Films: