Veröffentlicht: 01.11.2020

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation warnt vor negativen Nebeneffekten landesweiter Lockdowns. Doch mit dem erneuten Lockdown hat sich die Bundesregierung gegen die Empfehlung der WHO gestellt.

 

Zwar könnten strikte Beschränkungen dabei helfen, Ansteckungsketten zu unterbrechen und zur Erholung des Gesundheitswesens beizutragen, erklärte WHO Regionaldirektor Hans Kluge in Kopenhagen. Bei strikten Maßnahmen allerdings sei auch mit einem Anstieg psychischer Erkrankungen und häuslicher Gewalt zu rechnen. Eine Tatsache die bereits durch mehrere Studien bestätigt wurde und von der nicht nur Erwachsene betroffen sind. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse lag deren Anteil am Gesamtkrankenstand im ersten Halbjahr 2020 bei fast 20 Prozent.

 

Bereits im September hatten das auch Experten aus Deutschland, Südafrika, Spanien und Nigeria bei einem virtuellen Podiumsgespräch betont, dass die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gemeinsam mit der Südafrikanischen Akademie der Wissenschaften ASSAf organisierte. Zu den Faktoren, welche psychischen Stress verursachten, gehörten den Experten zufolge, die Angst vor einer Ansteckung ebenso wie soziale Isolation infolge der Lockdown-Maßnahmen und finanzielle Unsicherheit aufgrund der ökonomischen Folgen der Pandemie. Hinzu komme eine Stigmatisierung von positiv Getesteten. Neben ihnen gehörten Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, Frauen, Jüngere und sozial Schwache zu den besonders gefährdeten Gruppen.

 

Hans Kluge sagte auch, „dass die "großen Opfer", die zur Eindämmung des Coronavirus gebracht wurden, außergewöhnliche Kosten verursacht haben, die uns alle erschöpft haben, unabhängig davon, wo wir leben oder was wir tun. Unter solchen Umständen ist es leicht und natürlich, sich apathisch und demotiviert zu fühlen, Müdigkeit zu erleben. Auf der Grundlage aggregierter Umfragedaten aus Ländern der gesamten Region können wir, was nicht überrascht, feststellen, dass die Müdigkeit unter den Befragten zunimmt. Obwohl die Müdigkeit auf unterschiedliche Weise gemessen wird und die Werte von Land zu Land variieren, wird geschätzt, dass sie in einigen Fällen über 60% erreicht hat.“

 

Die WHO weist auch darauf hin, dass weniger chronisch Kranke in die Kliniken gehen, was zu vorzeitigen Todesfällen führe. Aber auch angesichts wirtschaftlicher Schäden betrachte man nationale Lockdowns nur als das Mittel der letzten Wahl.

 

Quellen:

https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-who-warnt-vor-negativen-nebeneffekten-landesweiter.1939.de.html?drn:news_id=1189002

 

https://www.cnbc.com/2020/10/06/who-warns-of-pandemic-fatigue-in-europe.html

 

https://www.zeit.de/news/2020-09/28/zunahme-von-depressionen-und-angststoerungen-durch-corona