Veröffentlicht: 17.12.2020

Können leere Kinosäle, Gaststätten, Restaurants, Hotels oder Geschäfte Risikopatienten über 70 Lebensjahren schützen, wenn sich das Altagsleben vermehrt im Altersbereich von sechs bis 60 Lebensjahren abspielt? Die klare Antwort ist nein, hierzu braucht es andere Konzepte. Weshalb der gesamte zweite Lockdown der Wirtschaft weiteren Schaden und Kleinunternehmer sowie den Mittelstand Deutschlands in den Ruin führen wird. Das sollte so langsam selbst dem standhaftesten Hartliner bewusst werden.

 

Spätestens seit der Analyse im Sommer ist der Wissenschaft, dem RKI und auch den Politikern bekannt, dass das Corona-Virus für kein Land der Welt ein Problem darstellt, soweit es Menschen bis zum 60. Lebensjahr betrifft. Sie fangen sich das Virus ein, bleiben symptomlos, oder sie erkranken, belegen aber keine Krankenhausbetten bzw. Intensivstationen. Von Ausnahmen abgesehen, die auf besondere Umstände wie zum Beispiel Vorerkrankungen oder Menschen zurückzuführen sind, die per se ein relativ schwaches Immunsystem haben. Es sind Menschen Ü70, die das Gesundheitssystem belasten, diese Tatsache ist mittlerweile unumstritten und wird täglich durch das RKI veröffentlicht. Wobei es immer schon Menschen mit einem schwachen Immunsystem gab, die auch unter einfachsten Grippewellen litten und sogar starben. Bei der letzten großen Grippewelle in Deutschland über 20.000 Menschen.

 

Erst am 04. November 2020 veröffentlichte die Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV gemeinsam mit 31 anderen wissenschaftlichen Verbänden ein neues gemeinsames Positionspapier zur COVID-19-Pandemie.

 

Die Kernthesen lesen sich wie folgt:

 

Abkehr von der Eindämmung alleine durch Kontaktpersonennachverfolgung.

 

Einführung eines bundesweit einheitlichen

 

Ampelsystems anhand dessen sowohl auf Bundes-als auch auf Kreisebene die aktuelle Lage auf einen Blick erkennbar wird.

 

Fokussierung der Ressourcen auf den spezifischen Schutz der Bevölkerungsgruppen, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben.

 

Gebotskultur an erste Stelle in die Risikokommunikation setzen.

 

Begründet wird die gesamte Strategie mit vielen Warnungen an die Bundesregierung sowie alle Verantwortlichen. So heißt es u.a., „Der Rückgang der Fallzahlen ist politisch zwar eine dringende Aufgabe, aber nicht um jeden Preis. Wir erleben bereits die Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation und Brüche in Bildungs-und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage als Folge.

 

Wir berufen uns auf das grundlegende medizinisch-ethische Prinzip des ärztlichen Handelns: „primum nihil nocere“ („erstens nicht schaden“). Dieser Grundsatz auf die momentane Situation angewendet bedeutet, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie so zu wählen, dass wir schwere Verläufe wirksam mindern, ohne neue Schäden zu verursachen.

 

Dabei sind wir auf die Bereitschaft der Bevölkerung zur Mitarbeit angewiesen. Ohne ihre Kooperation laufen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ins Leere. Sobald sich Verordnungen als widersprüchlich, unlogisch und damit für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar darstellen oder von Gerichten außer Kraft gesetzt werden, entsteht ein Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem.

 

Wir könnten diejenigen verlieren, die wir dringend als Verbündete im Kampf gegen das Virus brauchen.

 

So schlagen die Wissenschaftler, zu denen auch Prof. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Bonn, sowie Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gehören vor:

 

Besucher in Seniorenheimen, Pflegeheimen und Krankenhäusern erhalten in einem „Schleusen“-Modell nur nach negativem Antigen-Schnelltest Zutritt.

 

Das ärztliche und pflegerische Personal sowie das Reinigungspersonal werden regelmäßig getestet.

 

Das ärztliche und pflegerische Personal sowie das Reinigungspersonal und auch die Besucher tragen beim Kontakt mit den Patienten/Bewohnern FFP2-Masken.

 

Der Aufbau und die Unterstützung von Nachbarschaftshilfen für Personen, die der Risikogruppe angehören, aber zu Hause leben, wird durch Städte, Kreise und Kommunen etabliert.

 

Personen, die sich selbst isolieren, sollen dabei unterstützt werden. Gleichzeitig muss ihre medizinische Versorgung gewährleistet werden.

 

Dr. Klaus Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bezweifelt heute schon den Erfolg des Lockdowns und hält ein Scheitern für möglich. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er, er gehe nicht davon aus, dass es gelingt, bis zum 10. Januar die Infektionsrate sowie die Zahl der Todesfälle deutlich zu verringern. Ein Lockdown sei keine geeignete langfristige Strategie in der Pandemiebekämpfung. Stattdessen, so Gassen, sollte mehr für den Schutz der Risikogruppen in den Alten- und Pflegeheimen getan werden. Außerdem müssten Menschenströme entzerrt werden, beispielsweise durch mehr Busse und Bahnen sowie bezuschusste Taxifahrten für Risikogruppen.

 

In dem kleinen und anschaulichen Städtchen Tübingen wurden diese Konzepte bereits im Sommer geplant und seitdem erfolgreich umgesetzt. Zitat des SWR: „Neun Alten- und Pflegeheime gibt es in Tübingen. Sie haben sich bis jetzt in der Corona-Zeit wacker geschlagen. Im Moment ist laut Gesundheitsamt nur ein einziges Pflegeheim betroffen. Dort sind einige Mitarbeiter infiziert. Die Heimbewohner sind allesamt symptomfrei. Diese niederen Infektionszahlen sind unter anderem Lisa Federle zu verdanken. Die Tübinger Notärztin und Pandemiebeauftragte im Landkreis Tübingen richtete schon zu Beginn der ersten Welle ein Corona-Testmobil ein, mit dem sie zu den Alten- und Pflegeheimen gefahren ist.“

 

Fakt ist, die Bundesregierung arbeitet kontraproduktiv und entgegen aller ärztlicher und wissenschaftlicher Ratschläge. Sie verlässt sich lieber auf alt eingesessene Strukturen, die bisher nichts Produktives aus der Krise umsetzen konnten. Alte Zöpfe werden in der Regel spätestens dann abgeschnitten, wenn sich an den Haarspitzen der erste Spliss zeigt. Friseure und insbesondere Frauen kennen das Problem. Doch dieses Symbol scheint der Regierung fremd.

 

Sie hat es erneut versäumt entsprechende Handlungen zu vollziehen, die als das sogenannte goldene Maß der Mitte beschrieben werden. Sie begeht in einem gewissen Sinne eine Gradwanderung, an der sie am Ende möglicherweise scheitern wird. Doch der Bürger ist nicht dumm, die Zustimmung in der Gesellschaft schrumpft und liegt mittlerweile bei nur noch etwas über 60%. Spätestens dann, wenn die 50% Marke erreicht ist, wird Deutschland in einem Chaos enden, das im schlimmsten Fall auch vor Gewalt nicht halt machen wird.

 

Das zeigt uns die Weltgeschichte, denn dieses Phänomen tritt immer dann auf, wenn Menschen alles verlieren, was sie sich mühsam in all ihren Jahren aufgebaut haben. Wobei genau das derzeit geschieht. Wenn sich nicht bald etwas ändert, werden vom Unternehmermittelstand 10% überleben. Die anderen werden entweder ganz von der Bildfläche verschwinden oder sich noch gerade so über Wasser halten können, wobei ihr Einkommen nicht mehr dem eines typischen Mittelständlers entspricht.

 

Hätte die Regierung noch ein klein wenig Feingefühl, sollte sie darüber stutzig werden, dass auch die Impfbereitschaft mittlerweile nur noch 50 % beträgt. Was auch ein Anzeichen dafür ist, dass selbst der mündige Bürger, als nicht Virologe und Arzt erkennt und erkannt hat, wo die wahren Probleme liegen. Und die Bürger erkennen, dass sie für die Handlungsunfähigkeit der Regierung gezielte Maßnahmen zum Schutz der Risikogruppen bestraft werden.

 

Wir riskieren derzeit sehr viel. Das lässt sich nicht nur für Deutschland, sondern aus der Geschichte ableiten. So gut wie jede Pandemie endete zunächst in einem weiteren Chaos. Heutzutage ist es noch komplizierter. Wenn Deutschland fällt, fällt gesamt Europa, eine Tatsache, die sich die Regierung bewusst ist. Was zur Frage führt, warum sie sich nicht an die Ratschläge und Konzepte der mittlerweile absoluten Mehrheit der Ärzte und Wissenschaftler hält?

 

Quellen:

https://www.kbv.de/media/sp/KBV-Positionspapier_Wissenschaft_Aerzteschaft_COVID-19.pdf

 

https://www.aerztezeitung.de/Politik/KBV-und-Virologen-legen-gemeinsame-Anti-Corona-Strategie-vor-414099.html

 

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/grund-fuer-niedrige-corona-infektionszahlen-in-tuebingen-100.html

 

https://www.br.de/nachrichten/meldung/kbv-chef-gassen-bezweifelt-erfolg-des-lockdowns,3003517b4