Veröffentlicht: 25.04.2021

Sie ist nicht mehr oder weniger tödlich und einen Beweis für eine größere Ansteckung gibt es bislang auch nicht. Der wahre Ausbruch in Indien ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf Massenveranstaltungen für anstehende Regionalwahlen und dem "Reinigungsbad" im Ganges am 12. April zum Kumbh-Mela-Fest zurückzuführen. Hört sich im Vergleich zu den Medien etwas provokant an. Doch Berechnungen kommen genau zu diesem Ergebnis. Zudem scheinen die Medien vergessen zu haben, dass wir in den USA schon tägliche Fallzahlen von über 300.000 hatten und einen Höchststand von knapp 4.500 Toten an einem Tag.

 

Dank dem kürzlich veröffentlichten Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK sind erstmals genau Daten an die Öffentlichkeit gelangt. So zum Beispiel, dass 40,02 Prozent aller durch die Gesundheitsämter erfassten Fälle nicht durch einen RT-PCR-Test bestätigt sind. Näheres zum Thema gibt es hier.

 

Um genauer zu verstehen, wie die Zahlen aus Indien wirklich zu bewerten sind, ist entscheidend, dass Forscher des CDDEP India und der Princeton University (USA) die aktuelle Anzahl von Intensivbetten (ICU) in 37 Bundesstaaten Indiens am 21.04.2021 auf etwa 95.000 geschätzt haben, wovon etwa 50 % über Beatmungsgeräte verfügen. Wobei weiterhin ist zu beachten, dass nicht genau definiert werden konnte, wie viele Hospitale sich in Privatbesitz befinden, was in Indien nicht unüblich ist. Leider macht das immer noch unausgesprochene, aber dennoch existierende indische Kasten-System auch bei COVID-19 nicht immer Ausnahmen. Was bedeutet, dass Menschen aus den unteren Kasten nicht immer Zugang zu Privatkliniken gewährleistet wird. Hinzu kommt noch eine teilweise schlechte Verkehrsinfrastruktur, die den Krankentransport aus entfernteren und ungelegenen Gegenden nicht einfach macht.

 

Bei 95.000 Intensivbetten und einer Bevölkerung von 1.366 Mrd. Menschen verfügt Indien über knapp sieben Intensivbetten auf 100.000 Einwohner. Deutschland hat aktuell alleine nur für Erwachsene über 23.700 Betten, was 31 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner und somit im Vergleich zu Indien das 4,5-fache bedeutet.

 

Wie der bereits oben erwähnte Bericht der AOK verdeutlicht, bedeuten sogenannte Falldaten nicht gleichzeitig einen Virusnachweis. In dem Bericht wird beschrieben, dass nur 59,8 % aller Krankgeschriebenen tatsächlich durch einen RT-PCR-Test bestätigt sind. Die verbleibenden 40,02 % setzen sich aus Menschen mit sogenannten Covid-Symptomen und solchen zusammen, die aufgrund einer Kontaktverfolgung krankgeschrieben werden mussten. Alle Fälle werden jedoch einheitlich den Gesundheitsämtern gemeldet. Da es keinen Sinn macht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wurden genau diese Parameter im folgenden auch auf die Zahlen aus Indien angewandt.

 

Am Ende lässt sich erkennen, dass unter gleichen Voraussetzungen in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlich weniger (-10.135) Menschen gestorben wären als aktuell in Indien (13.156). Trotzdem, gemessen an den bereits oben beschriebenen Parametern wie den Faktor 4,5, Privatkliniken und Verkehrsinfrastruktur starben am Ende immer noch 437 Menschen weniger, als die Vorhersage aus der Hochrechnung mit dem Faktor 4,5.

 

Der Indzidenzwert lag in Indien trotz der hohen Zahlen am 24.04.2021 bei 95,1, in Deutschland bei 165,6.

 

indien

 

Quellen:

https://cddep.org/publications/covid-19-in-india-state-wise-estimates-of-current-hospital-beds-icu-beds-and-ventilators/